Der Club | Takis Würger

Wer es in den legendären Pitt Club an der Cambridge Universität geschafft hat, ist ein gemachter Mann: Mitglied in dieser elitären Studentenverbindung zu sein, öffnet einem alle Türen. Der junge Hans soll sich in diesen Club unter falschen Namen infiltrieren, ohne den wirklichen Grund zu kennen. Takis Würger verwischt mit seinem Debut die gängigen Genregrenzen, Der Club schwankt zwischen Entwicklungsroman, Krimi und Liebesgeschichte. Er überzeugt mit einem ausdrucksstarken Sprachstil, schafft es aber nicht seinen Figuren Lebendigkeit einzuhauchen.

Im südlichen Niedersachsen liegt ein Wald, der Deister, darin stand ein Haus aus Sandstein, in dem früher der Förster gewohnt hatte und das durch eine Reihe von Zufällen und den Kredit einer Bank in den Besitz eines Ehepaares kam, das dort einzog, damit die Frau in Ruhe sterben konnte.

Mit diesem wundervollen Satz beginnt die Geschichte des jungen Hans, der einzige Sohn des Ehepaares. Das Unheil, das in diesen ersten drei Zeilen bereits mitschwingt, wird den 15-jährigen Jungen bald einholen: Erst verstirbt sein Vater bei einem Autounfall, dann seine Mutter 6 Monate später an einem allergischen Schock. Ihm bleibt nur noch seine unnahbare Tante Alex aus England, die Halbschwester seiner Mutter, die ihn auf ein Internat schickt, das von Mönchen geführt wird. Einsam und zurückgezogen verbringt er dort den Rest seine Schulzeit bis zum Abitur und findet nur Trost im Boxen. Nach dem Tod seiner Eltern hatte er mit diesem Sport aufgehört, findet aber nun im Koch des Internats einen Trainingspartner – und Freund.

Ich schlug: links, rechts. Der Pater deutete einen Haken an. Ich tauchte ab. Von Kombination zu Kombination steigerte sich die Geschwindigkeit der Schläge. Der Klang von Fäusten auf Handflächen hallte durch den Weinkeller. Es war der Rhythmus einer Sprache, die ohne Worte auskam.

Nach nur spärlichen Kontakt zu seiner Tante, holt sie ihn kurz vor seinem Abitur zu sich nach England. Als Dozentin an der Cambridge Universität bietet sie ihm ein Stipendium an. Im Gegenzug erwartet sie von ihm, dass er Mitglied des Pitt Clubs, einer Studentenverbindung der Universität, wird und ein Verbrechen für sie aufdeckt. Welches, verrät sie ihm aber nicht. Er bekommt einen neuen Nachnamen und schafft es dank Charlotte, der Doktorandin von Alex, auf die begehrte Gästeliste des Pitt Clubs. Hans, der aus eher bescheidenen Verhältnissen stammt, wird mit der Dekadenz und dem Exzess seiner reichen und privilegierten Mitstudenten konfrontiert. Er wird Teil des Boxteams und schafft es Mitglied des Pitt Clubs zu werden, immer noch im Unklaren darüber, wonach seine Tante sucht.

„Das ist kein Spiel, Hans. Du glaubst, die Jungs im Club sind deine Freunde? Warum? Weil sie dir Champagner einschenken und dich in ihren Autos mitnehmen? […] Du wirst über den Club eine Frau finden, die alles mit sich machen lässt. Du wirst denken, dass es dein Recht ist, weil du besser bist als der Rest. Aber bist du das, Hans? Nein, bist du nicht.“

Später offenbart sie ihm den wahren Grund und Hans gerät immer tiefer in den Strudel aus Betrug, Lüge und Verrat. Spannend bleibt der Roman bis zum Schluss: Die recht kurzen Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht verschiedener Personen erzählt. Dies ergibt einerseits einen schnellen und wechselvollen Rhythmus, andererseits werden dadurch nur bruchstückhaft Informationen preisgegeben, was den Leser von einer Hypothese zur nächsten führt. Auch die direkte und nüchterne Sprache erspart einem nichts – bis ins kleinste (ungeschönte) Detail:

Der Gegner schlägt eine Kombination. Er ist besser, er ist einfach besser, ich spüre es sofort. Einer der ersten Schläge bricht mir die Nase. Blut läuft meinen Rachen runter, schmeckt wie Kupfer. Woher weiß ich, wie Kupfer schmeckt? Jetzt aus der Distanz arbeiten. Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Links, links, rechts.“

Leider lässt sich die Lobeshymne hier nicht weiterführen, eine große Schwäche des Romans sind die Figurenzeichnungen: Es werden oft gängige Klischees bedient und viel mit Stereotypen gearbeitet. Die so ausdrucksvolle, aber einfache Sprache sorgt für wenig Differenzierung zwischen den Figuren. Jeder spricht und denkt in den selben Strukturen: nüchtern und direkt.

Auch die Charakterentwicklung von Hans verblasst zunehmend mit dem Verlauf der Geschichte. Die von Würger zu Beginn wundervoll gezeichnete Figur eines einsamen Jungen verliert mit dem Wechsel an die Universität viel von seiner Aussagekraft und wirkt nur noch eindimensional, kaum greifbar.

Macht, Reichtum und Maßlosigkeit – Der Club von Takis Würger ist alles in allem ein gelungenes Debut, spannend bis zur letzten Seite und mit einer interessanten Thematik. Dank seiner eindringlichen Sprache erweckt er ein eindrückliches Bild der Dekadenz des elitären Pitt Clubs und seiner Mitglieder. Zu kurz geraten dabei aber leider die Charaktere: Figurenentwicklungen gibt es kaum, dafür sind sie zu flach und eindimensional gezeichnet.

 

Takis Würger, Der Club, Kein & Aber, 240 Seiten, €22

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