Suhrkamp pocket – Große Bestseller im Kleinformat

Pocket Suhrkamp

Die neue pocket-Reihe von Suhrkamp lässt jedes Sammlerherz höher schlagen: Hochwertige Geschenkausgaben im handlichen Format, vom Klassiker bis hin zum Sachbuch. Die genauen Titel sind auf der Verlagsseite von Suhrkamp zu finden.

Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, zwei dieser Titel zu rezensieren.

 

Teju Cole – Open City

Teju_Cole_Open_City

Der junge Psychiater Julius absolviert seine Facharztausbildung in New York. Als Ausgleich zu seinem anstrengenden beruflichen Alltag entdeckt er das Laufen für sich: Immer weiter erkundet er zu Fuß die verschiedenen Stadtteile und observiert und analysiert dabei seine Umgebung. Dadurch verarbeitet er nicht nur das Erlebte in seinem Beruf, sondern auch Geschehnisse in seiner Kindheit und probiert damit, seine zerrütteten Familienverhältnisse aufzuarbeiten. Als Kind einer Deutschen und eines Nigerianers wuchs Julius in Nigeria auf, wo er auf Grund seiner helleren Hautfarbe nie vollkommen akzeptiert wurde. Nun in New York hat er abermals mit dem Gefühl der Einsamkeit, der Isolation und der Entfremdung von sich selbst und von anderen Menschen um ihn herum zu kämpfen und probiert seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Seine Versuche der Selbstfindung, unter anderem indem er nach seiner Großmutter in Brüssel sucht, scheitern an seiner Halbherzigkeit. Jedoch setzt er sich viel mit den Themen und Problematiken der heutigen Zeit auseinander, die auch ihn berühren. So beschäftigt er sich viel mit der Thematik der Immigration, redet mit vielen Einwanderern und zeigt, dass man bei diesen nicht von einem stereotypen Bild ausgehen kann, denn ein jeder hat seine eigene individuelle Geschichte und ein Anrecht darauf, angehört zu werden. Bei all der Reflexion und dem Verarbeiten seiner Vergangenheit entpuppt sich Julius am Ende genau als das, was er nie sein wollte und wogegen er als Arzt, spezialisiert auf Depressionen, angeht: Ein Verdränger, der seit seiner Jugend ein großes Geheimnis mit sich herum trägt, ohne sich im Entferntesten auch nur daran erinnern zu können, doch letzten Endes holt ihn die Vergangenheit ein.

Open City ist ein sehr ruhiger Roman, dessen Fokus auf die Herausarbeitung der modernen und aktuellen Themen liegt. Es geht um Selbstentfremdung, um das Finden der eigenen Identität und der Integration. Ein wundervoller Roman, der ohne viel Handlung sehr viel vermittelt.

Teju Cole, Open City, Suhrkamp, 411 Seiten, €10,00

 

 

Auf der Plaça del Diamant von Mercè Rodoreda

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Die katalanische Autorin Mercè Rodoreda gelang mit diesem Roman der internationale Durchbruch. Es geht um den Spanischen Bürgerkrieg, es handelt sich hierbei aber um keinen Kriegsroman im „klassischen“ Sinne: Es werden keine direkten Kriegsgeschehnisse dargestellt, auch stehen die Soldaten nicht im Fokus, sondern nur die junge Colometa, die während dieser schwierigen Zeit probiert, sich und ihre zwei kleinen Kinder am Leben zu erhalten.

Einige Jahre vor dem Bürgerkrieg heiratet Colometa ihren Ehemann Quimet, einen Tyrann und Lebemann, dessen Gewaltausbrüche und Vorwürfe sie still erträgt. Sie haben zwei kleine Kinder, als der Spanische Bürgerkrieg ausbricht und führen ein einfaches Leben. Nachdem Quimet jedoch als Soldat eingezogen wird, verschlechtert sich Colometas Situation zunehmend. Es wird immer schwieriger für sie, sich und ihre 2 kleinen Kinder zu ernähren. Sie arbeitet hart, bis an den Rand der Erschöpfung und dennoch ist es ihr kaum möglich, Essen zu besorgen. Da ihr Mann auf Seiten der Republikaner kämpft, wird sie von ihrem Arbeitgeber gefeuert und nur mit Mühe und Not findet sie einer neue Anstellung. Die Armut und die Nahrungsmittelknappheit bringen sie an ihre Grenzen, sie hat alles verkauft, was sie noch besaß und dennoch ist sie nicht in der Lage, ihre Familie zu ernähren. Von Verzweiflung getrieben, sucht sie nach einer endgültigen Lösung aus ihrer Ausweglosigkeit.

Es ist die Geschichte eines jungen, naiven Mädchens, das in die Wirren des Krieges hineingerät und dadurch ihre eigene Stärke entdeckt. Die Einfachheit der Sprache steht im Kontrast zu der Tiefe der Erzählung und hebt diese nur umso mehr hervor. Es ist ein sehr bewegendes Buch, das zu Recht zu einem modernen Klassiker geworden ist und zu den wichtigsten Büchern der Katalanischen Literatur zählt.

Mercè Rodoreda, Auf der Plaça del Diamant, Suhrkamp, 325 Seiten, €10,00

 

Eine Videorezension zu den beiden Büchern findet sich hier.

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2 Kommentare

  1. Tilia sagt: Antworten

    Liebe Lotte!
    Vor diesem Buch hatte ich bisher ein bisschen Angst. Nachdem ich den Garten über dem Meer gelesen hatte, suchte ich mehr von ihr. Fand aber die Beschreibungen im Vergleich zum Garten (der eher was zum Wohlfühlen ist, wie ich finde) erst einmal abschreckend. Aber nun nach deinem Video und in der schönen Ausgabe werde ich es wagen- vielen Dank für den tollen Tipp! Das Buch ist schon bestellt…
    Den Garten gibt es übrigens richtig schön bei Mare oder auch der Büchergilde…

    1. LotteKind sagt: Antworten

      Hallo Tilia!

      Wie toll, dass du mich auf den „Garten über dem Meer“ hinweist, ich wollte unbedingt noch mehr von Mercé Rodoreda lesen! Ich schau mir gleich auch deine Tipps an bezüglich der Ausgaben, ich bin ein sehr großer Liebhaber von „schönen“ Editionen. Ich hoffe sehr, dass dir „Auf der Plaça del Diamant“ zusagt. Ich hatte am Anfang ein wenig Probleme mit der naiven und passiven Art der Hauptprotagonistin, aber das änderte sich relativ schnell. Ein sehr bewegender Roman! Ich habe auch gelesen, dass Gabriel García Márquez extra Katalanisch gelernt hat, um diesen Roman im Original lesen zu können.

      Liebe Grüße,

      Charlott

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